Darf man das?

Darf man das? In Auschwitz tanzen? Vor den Gleisen, im Zug, vor der Toreinfahrt, der berühmten Toreinfahrt. Natürlich darf man das. Kunst darf sowieso alles. Das ist ja das schöne dran!

Man darf übrigens nicht nur, man muss sogar! Man muss trauern. Ja. Man muss Gedichte schreiben, über die schwarze Milch, man muss Bücher schreiben, die man nicht lesen kann, man muss weinen. Immer wieder weinen. Für 6 Millionen Tote können nicht genug Tränen geweint werden.

Aber man muss sich auch freuen! Man muss lachen und tanzen. Denn, so ungeheuer auch ist, was Nazideutschland verbrochen hat, so gut ist auch die Nachricht, dass es nicht angedauert hat, dass überlebt wurde. Dass Menschen überlebt haben, die hätten sterben sollen, dass eine Kultur überlebt hat, die ausradiert werden sollte, dass Generationen entstanden sind, die es nicht mehr hätte geben sollen. Freuen, dass man tanzen kann.

Das Schrecken kann nicht so schlimm sein, dass sein Ende nicht mehr wäre. Das Leid kann nicht so groß werden, dass sein Ende nicht erleichtern könnte. Man darf lachen, und spotten. Man muss an das Gesicht von Göhring, Göbbels, Himmler und Co denken, wenn sie das sehen, wenn sie sehen, dass eine jüdische Familie überlebt hat und auf den Ruinen des Wahnsinns tanzt. Nicht trauernd, weil das Schrecken sein Schatten noch immer wirft, sondern tanzend, weil vorbei ist, was vorbei sein muss. Man muss die Erinnerung bewahren, aber man muss sie nennen was sie ist: Eine Erinnerung. Bewahren, nicht leben, soll man Erinnerungen.

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