Der Geist der stets verneint…

…ist wahrlich ein politischer. Bei mir hat sich heute in den letzten Tagen die Diskussion entfaltet, die spannend ist und die müßig ist – irgendwo, ein Stück, zumindest. Die Frage: Wer wird Bundespräsident. Du oder ich, Gauck oder Wulff. So ungefähr. Ein Wort vorweg: Das Amt ist überkommen. Man braucht dieses Amt nicht und es ist auch nicht mal mehr besonders demokratisch – im Gegenteil. Es ist unnötig Staats- und Regierungsamt zu trennen. Außerdem: Wenn wir das Amt nicht brauchen, aber offensichtlich irgendwie wollen, dann können wir es direkt bewählen lassen und damit aus den Sphären der Parteipolitik herausheben. Basta.

Solange es aber so ist, wie es ist und Bundespräsident wird, wer von einem Lager (!! – grässliches Wort) vorgeschlagen wird, das in der Bundesversammlung eine Mehrheit hat, solange ist der Bundespräsident ein parteipolitisches Amt. Das führt zum zweiten Punkt, an dem man trennen muss: Wer ist gut für’s Land, wer ist gut für die FDP. Das sind zwei Fragen und die muss man entsprechend getrennt behandeln. Erst mal zur Ersten.

Christian Wulff ist jemand der Parteipolitik kennt und der nicht unbedingt als Querschläger bekannt ist. Es ist ein normaler deutscher Bürger, ohne besondere Geschichte, mit väterlichem Habitus und niedersächsischem Pathos: Bestenfalls sympathisch, schlimmstenfalls langweilig. Aber, immerhin, er steht für einen Lebensentwurf, der in Deutschland nach wie vor und ein Stück weit zum Glück repräsentable ist. Bieder aber fleißig, bescheiden aber lebenslustig, ruhig aber humorvoll, rhetorisch begabt aber zurückhaltend, Familienmensch aber modern. Und er ist jung. Christian Wulff ist nah genug dran, am politischen Tagesgeschäft, um sich Spielräume im reichlich machtarmen Präsidialamt erarbeiten zu können. All das macht ihn zu einem guten Präsidenten. Denn ein guter Präsident muss nicht mehr können, als gut präsidieren.

Es ist eine deutsche Leier, die Intellektualität ins Amt heben zu wollen. Man frage doch mal auf der Straße, ob nicht Günther Grass auch ein super Präsident wäre, oder vielleicht der alte Biermann (lebt der eigentlich noch?). Alle würden sagen ja. Niemand hätte Recht. So sehr ich Gauck schätze und so sehr ich ihn, als aufrechten Demokrat, als jemand der, wie er selbst sagt, “das hohe Lied der Freiheit noch zu singen weiß”, als politischen Intellektuellen favorisieren würde, so sehr sagt mir auch meine eigenen politische Erfahrung, dass es wahrscheinlich nicht gut gehen würde. Es würde bedeuten, einen großen Deutschen im Diskurs zu verlieren. Jemanden mit Händeschütteln und Blumen verschenken zu beauftragen und ihm die Zeit zu nehmen zu reden, zu lesen und zu schreiben. Ist es denn wirklich gut für’s Land jemanden Brücken eröffnen zu lassen, der die Zeit auch damit verbringen könnte, Brücken zu bauen? Wir gewinnen vielleicht einen guten Präsidenten, aber wir verlieren auch einen großen Intellektuellen. Und das ist mir das Amt nicht wert. Lasst den Wulff mal machen.

Und jetzt die FDP. Und Zack – da sind wir wieder auf den Niederungen der Parteipolitik. Hätte sie nicht und sollte sie nicht und sowieso die klare Kante – wo ist sie nur hin? Klare Kante bei einer Bundespräsidentenwahl? Es ist ein Erfolg der FDP, dass der Kandidat von CDU/CSU und FDP nicht Ursula heißt. Das ist mir sehr, sehr wichtig. Die Frau die meine Schwester mal für “zum Teil pädokriminell” erklärt hat als Bundespräsidentin…mir graut’s. Und wir haben auch noch etwas klar gemacht: Wir sind nicht die in der Koalition, die sich verweigern. Wir sind in der Lage, Kompromisse einzugehen und wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Wir können überhaupt entscheiden. Das jetzt CDU/CSU in der Bringschuld sind, versteht sich von selbst und darauf müssen wir jetzt drängen. Lasst uns die Energie darein stecken, und nicht in einePersonaldebatten mit ohne Bedeutung!

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