Als die Stürme, die im Moment auf die FDP niederbrausen, Anfang des Jahres ihren Höhepunkt hatten, sagte eine (Partei-)Freundin: “In einer Partei sein, ist ein bisschen wie verheiratet sein. Und darum tritt man auch nicht einfach so aus.” zu der Austrittswelle, die die FDP hatte. Da hat sie Recht! In eine Partei tritt man nicht leichtfertig ein. In Deutschland sind ca. 1.3 Millionen Menschen in Partei organisiert , Also ungefähr 1.6% der Bevölkerung. Die Hemmschwelle in eine Partei einzutreten ist offensichtlich und wahrscheinlich zu Recht relativ hoch. Man muss eine gefestigte politische Überzeugung haben, die muss zumindest grob mit der Beschlusslage der gewählten Partei übereinstimmen, man die sozialen und organisatorischen Strukturen der Partei akzeptieren und man muss sich dazu durchringen mit dem Parteibuch seine politische Meinung zu einem gewissem Grad langfristig öffentlich zu machen – egal wie gut oder schlecht die Meinung von der jeweiligen Partei gerade ist. Man muss die Überzeugung und das Weltbild der Partei im guten wie im schlechten teilen und vertreten wollen, sonst bringt es wenig. Und wie bei der Ehe gilt daher, bei einem Parteieintritt: “Drum prüfe was sich ewig bindet, ob sich nicht noch was besseres findet.”
Ich bin mit 16 in die FDP eingetreten, nachdem ich als Jungliberaler schon ein Jahr den Kreisverband (in Jena) und seine politische Arbeit kennen gelernt habe. Seit dem hat die FDP bei allen überregionalen – und soweit ich irgendwie davon betroffen war – auch bei kommunalen Wahlen gewonnen. Erfolgreiche Landtagswahlen in Niedersachsen, Hessen, Bayern, Brandenburg, Sachen, Thüringen, Schleswig-Holstein, dem Saarland und Co. Zwei erfolgreiche Bundestagswahlen und eine sehr erfolgreiche Europawahl. Wer wie ich seit ca. 4-5 Jahren FDP Mitglied ist, ist ziemlich erfolgsverwöhnt. Negative Pressekampagnen, Kritik, schlechte Umfragewerte und Ähnliches ist man nicht wirklich gewöhnt. Aber es ist unfair sich mit einer Partei zu freuen, wenn alles gut und wie von alleine läuft, aber ihr die Stange nicht halten zu wollen, wenn sie – latent überfordert, orientierungslos und kommunikationsunfähig – durch die Untiefen einer Regierungsbeteiligung dümpelt.
10% in Umfragen sind für Freidemokraten nicht schlecht, nur weil es bei einer Wahl 14% waren. Und es stehen auch noch 3 1/2 Jahre Regierung an, man darf ja aus Fehlern auch lernen. Deswegen – liebe Parteifreunde – etwas weniger Defätismus und etwas mehr konstruktive Arbeit. Gerade jetzt ist die Basisarbeit besonders wichtig, und die Fußgängerzone und es ist wichtig sich anpöbeln zu lassen. Einfach einknicken gibt es nicht! Kopf hoch… Einen Parteivorsitzender, der sich mit “Glückauf” verabschiedet, brauchen wir zum Glück noch nicht!
Gutes Statement, doch mit Deiner Schlussfolgerung stimme ich nicht überein. Die Basisarbeit ist jetzt nicht (so) wichtig. Die Fußgängerzone ist dementsprechend der falsche Ort um jetzt Energien zu verschwenden.
Auf die FDP wartet “Spitzenarbeit” – die Führung schlingert nämlich derzeit scheinbar panisch durch die seichten Umfragewässer. Es wäre jetzt an der Zeit, sich auf ein Thema zu konzentrieren, Prioritäten zu setzen und konstruktive Vorschläge zu bringen (die es in den Schubladen zweifelsohne bereits gibt). Mit einem klaren Kurs bringt man diese unwirtliche Passage schneller hinter sich und gewinnt verlorene Glaubwürdigkeit so auch wieder zurück. Den Sturm hat die FDP nämlich durchaus auch selbst gesäht.